Becklingen - Bahnhof


Becklingen-Bahnhof, wie der Dorfteil genannt wird, liegt etwa einen Kilometer östlich des eigentlichen Dorfes. Die Besiedlung des Bahnhofes geht auf den Bau der dortigen Eisenbahnstrecke zurück.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde von Garhsen (Garsen) aus eine Kreisbahn über Sülze nach Bergen gebaut. Der Kreis Celle pflegte seit der Eröffnung Unterhandlungen mit den Kreisen Soltau und Fallingbostel zwecks Weiterführung der Bahn über Bleckmar, Wardböhmen und Becklingen. Im Jahre 1908 wurde mit dem Bau in Bergen begonnen. Die Arbeit schritt zügig voran, da etwa 100 ausländische Arbeiter beschäftigt waren. Bereits im selben Sommer wurde deshalb schon in der Becklinger Feldmark begonnen. Einige dieser Arbeiter wohnten "im großen Haufe" in Wardböhmen, ein anderer Teil in einer Baracke am Tannensieksberg. Einige waren aber auch in die Wohnungen der Anwohner aufgenommen worden, obgleich ihnen ein schechter Ruf vorauseilte.

Am 17.April 1910 konnte die Einweihung und damit die Freigabe zur Benutzung stattfinden. Der Fahrplanbetrieb wurde am 23. April aufgenommen und zugleich damit die Personenpost Beren-Soltau aufgehoben.
Beim Bau der Bahn mußte man leider den Fehler begehen, daß man den Bahnhof zu weit vom Dorfe entfernt anlegte. Anfangs war geplant, denselben am sog. "Heidwege" (heute B 3) zu bauen. Den weisen Reden der Besitzer jener in Frage kommenden Landstücke ist es zu verdanken, daß dieser Plan nicht ausgeführt wurde, "da dei Bahn dann all dat schöne Lann bin Dörpe verdorben harr." Später erst, als man merkte, daß man vom Dorfe aus einem schlechten Wege zum Bahnhof folgen mußte, der vom Ort etwa 1300m und von der Landstraße (heute Alte B 3) sogar 1800m, bedauerte man den Bau soweit außen.  Wann genau die Besiedlung am Bahnhof erfolgte, läßt sich schlecht nachvollziehen. Sie folgte aber dem Bau der Bahn und der Haltestelle.

Bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde das Frachtaufkommen durch zahlreiche Anschlußbahnen gesteigert. So wurde unter anderem am 15. Februar 1914 eine Kieskuhle bei Becklingen an das Netz der CSM (Kleinbahn Celle-Soltau Celle-Munster GmbH) angeschlossen.



Becklingen Bahnhof 1914 - Grubenholz für Oberschlesien
Bereits nach der Fertigstellung wird mit der Bahn Holz aus der Forst des Becklinger Holzes transportiert
Foto: (v.l.) Bahnagent, Holzkäufer Dietrich Lindhorst und Vorarbeiter Willi Lindhorst aus Becklingen sowie 5 Arbeiter


In Chroniken findet man auch den Bau einer Baracke im Dezember 1916, der im Januar 1917 beendet war. Die Baracke stand auf der damals sog. Hellwinkelschen Koppel unweit des Becklinger Bahnhofes. Dort arbeiteten 40 kriegsgefangene Engländer, Franzosen und Russen aus dem Soltauer Kriegsgefangenenlager, die durch 4 Landsturm-Wachmannschaften bewacht wurden und Grubenholz herstellten, welches vom Becklinger Bahnhof versandt wurde.
1917 kamen im Mai 10 Stadtkinder mit dem Zuge von Hannover und wurden bis zum 1. Oktober in Pflegefamilien untergebracht. Eines davon beim Abbauer Heinrich Rodehorst am Bahnhof. Dieser führte 1920 die Einwohnerwehr Becklingens und wohnte zu der Zeit in einem Haus hinter der Bahn links (heute Haus Nr. 40 Habermann ?). Auf einer Handskizze des Lehrers Ernst Teichmann findet man im Jahre 1931 die Bahnstrecke und immer noch nur ein Haus nördlich der Moortrift bzw. östlich der Bahn: das von Rodehorst. 1935 ist bereits die Rede einer zweiten Familie vom Bahnhof, die von William Nöschel.  1914 erhält das Dorf elektrisches Licht, die Häuser am Bahnhof erhalten es erst nach dem 2. Weltkrieg. 1978 erfolgte der Ausbau der Großen Dorfstraße und der Bahnhofsstraße (Moortrift) vom Dorf bis zur B 3, mit Gehweg und Straßenbeleuchtung. 1984 erfolgt der Weiterbau der Bahnhofstraße von der B3 bis zum Bahnhof, ebenfalls mit Gehweg und Straßenbeleuchtung.



Das Bild links zeigt den Bahnhof Becklingen, der heute nicht mehr existiert. Heute befinden sich noch die drei alten Linden dort, die auf dem rechten Bild (Foto: KD Tröger) zu sehen sind.
Früher war die Strecke eine Personenverkehrsverbindung zwischen Bergen und Soltau, wird aber lange schon nicht mehr betrieben. Heute ist die Strecke Bestandteil der OHE. Es findet Güter- und Militärtransportverkehr auf der Strecke statt. Auch wird die Strecke noch genutzt, um idyllische Fahrten mit dem sog. "Ameisenbär", einem Triebwagen, durchzuführen.