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Becklingen,
mit den
Wohnplätzen
Oehus und Getrudenhof, ist ein typisches Haufendorf in der Landschaft
der
Lüneburger Heide.
Die Ortschaft Becklingen
ist nachweislich über 775 Jahre alt und wurde 1231 mit drei
Häusern
erstmalig
urkundlich als "Bekelinge" erwähnt:
Urk.
53 (XXVII)
Herzog
Otto von Braunschweig übergibt dem Bischofe zu Verden zur
Erstattung
des Schadens, welchen derselbe zur Kriegszeit durch seine Leute
erlitten
hat, zwanzig Hufen 1)
sammt dem
Allede Bleckmar (im K. u. d. A.=B. Bergen), und empfängt dieselben
zu Lehn zurück.
1231
1)
Diese Hufen gehören zum Allede eines Hauses in Hambruch (im K.
Ostenholz),
eines Hauses in Örbke, zweier Häuser in Klingt (beide im K.,
sämmtlich in d. A.=B. Fallingbostel), dreier Häuser in
Becklingen,
zweier Häuser in Wardböhmen, dreier Höfe in Hohne,
zweier
Häuser in Hasselhorst und zweier Häuser in Bleckmar
(sämmtlich
im K. u. d. A.=B. Bergen).
(aus:
Verdener Geschichtsquellen II)
Abweichend
von dieser ersten urkundlichen Erwähung geht aus der Schulchronik
zu Becklingen hervor, das die erste bestimmte Nachricht über die
Ortschaft Becklingen aus der Zeit des Kaiser Ottos des Großen
(936-973) stammt, so zumindest nach Ludw. Otto Adelbert Spittas
"Geschichte der St. Lamberti-Gemeinde zu Bergen bei Celle. Otto der
Große schenkte Hermann Billung reiche Besitzungen im Sachsenlande
und machte ihn daselbst zum Herzog. Hermann Billung erbaute im Jahr 955
ein Kloster auf dem Kalkberge in Lüneburg. Ein Kloster war mit dem
Bau der Mauern noch nicht gesichert, so legte er dem Gotteshaus etwa 50
Höfe in unsere Gegend zum ewigen Eigentum bei. Zu diesen
Höfen gehörten auch einige in Becklingen.
Dieselbe Erkenntnis geht auch aus der Sächsischen
Fürstenchronik hervor, wonach Herrman bei der Stiftung des
Hiesigen Michaelislosters, um 955, dasselbe mit vielen Gütern
ausgestattet hat. Nun liegen gerade die ältesten Besitzungen des
Klosters, von welchen kein anderer Erwerbsgrund als dieser nachzuweisen
ist, in den oben gezeichneten Amtsvogteien, nämlich 1) in Bergen:
Becklingen, Belsen, Bergen, Dohnsen, Hagen, Nindorf, Wohlde und
Wietzendorf , 2) in Fallingbostel .... . Alle in den benannten
Ortschaften belegenen Höfe, deren einige fünfzig sind,
zeichenen sich dadurch vor ähnlichen Gütern aus und
bestätigen damit ihren Ursprung, daß sie noch jetzt als
Lehne, bis auf zwei oder drei, der Abtei St. Michaelis anerkannt sind
und ... praktisch behandelt werden.
Die originalen Chroniken sind 1988 vom
ehemaligen
Ortsvorsteher
Günther Ebel überarbeitet und in limitierter Anzahl als Schulchronik
Becklingen,
Bd. 1, 1916-1937, Bergen 1988, veröffentlicht und herausgegeben
worden.
Der
Name Becklingen hat im
Laufe der Jahrhunderte mehrere Abwandlungen erfahren, bis hin zur
heutigen
Sprach- und Schreibweise. Die Entstehung des Namens "Becklingen" ist
unbekannt geblieben. In Schriften aus dem 18. Jahrhundert findet sich
der Name "Beckling". Dieser kann unmöglich von einem "Beck" (alt
für: Bach) abgeleitet sein, denn weder im Dorfe selbst noch in der
Nähe fließt ein solcher. Eine Deutung des Ortsnamens geht
von
einem
germanischen
Personennamen aus, der "Bako" oder "Baki" oder auch "Becco" hieß.
Die Endung "-ing(en)" ist ein sog. Diminutivsuffix (Suffix = Nachsilbe,
diminutiv = verkleinern/vermindern) aus dem
althochdeutsch-germanischen bzw. niederdeutschen (plattdeutsch,
niederländisch, flämisch und mecklenburgisch)
Srachgebrauch
und bezeichnet prinzipiell eine Zugehörigkeit zum vorhergehenden
Wortteil. Dieser kann der Name einer Person (s.o.: "Becco") oder
einer Örtlichkeit sein. Die Endung "-ing(en)" datiert in Ortsnamen
des deutschen Sprachraums ins Frühmittelalter, frühestens ins
5., meist zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert.
Der
einstellige Hof Oehus
wird 1258 erstmalig urkundlich erwähnt. Im Jahre 1258 schenkte
nämlich der Bischof Wedekind von Minden dem Walsroder Kloster
einen Zehnten zu Becklingen und Oehus. Oehus hieß
ursprünglichTedinghusen, später Oedinghusen, Oynhuszen,
Oyginhusen, Ogigehusen und endlich Oehus. Es gibt die Deutung,
daß der Name von
einem germanischen Gerichtsplatz (Tedinghusen / Thing) abgeleitet
wurde. Nach
mehreren Schreibweisen und Kürzungen verblieb letztendlich
"Oehus". Allerdings weist der Name auch auf einen Wohnplatz von freien,
edlen Leuten hin, den "hus" heißt das Haus des Freien oder
Ritters (Spitta).
Eine weitere Namensabwandlung sei hier kurz erwähnt: Zwei
Kilometer nördlich von Becklingen liegt der Assegrund, daß
heißt soviel wie Eschengrund.
Das
Dorf Becklingen entwickelte sich
als Haufendorf zu einem reinen Bauerndorf. 1438 hatte Becklingen sechs
Höfe, 1588 werden neun genannt. Durch Ansiedlung von Ab- und
Anbauern,
sowie Brink- und Häuslingsstellen vergrößerte sich das
Dorf. Die Einwohnerzahl (anhand geschichtlicher Dokumente) stieg und
sank
von 106 Einwohner im Jahre 1820 über 180 (1848), 255 (1933), 231
(1939)
auf über 500 Einwohner nach 1945, durch Zuzug von
Flüchtlingen
aus den Deutschen Ostgebieten. Heute beträgt die Einwohnerzahl
rund
380.
Das
Dorfbild wird
noch
heute
weitgehend von Fachwerkhäusern und alten Eichenbeständen
bestimmt
und bezeugt eine traditionsreiche bäuerliche Vergangenheit. Alte
Hofnamen
sind über Jahrhunderte bis heute erhalten und gebräuchlich
geblieben.

Auch
die Heidschnucke, die typisch für diese Gegend ist, findet
sich oftmals im Dorfbild wieder.
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Pferde
waren
über
Jahrhunderte in Becklingen zu sehen, aber erst in den letzten Jahren
steigt die Pferdehaltung
wieder an.
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Sagen,
Legenden und
Begebenheiten
vom Dorf und der Umgebung sind schriftlich überliefert und werden
mündlich in unsere Zeit weitergegeben. So die "Nacht in der
Wolfskuhle"
auf dem Langen Horst, als die Bäuerin beim Versuch ihre als
Lockvogel
genommene schöne Gans des Nachts heimlich aus der Wolfskuhle zu
holen,
selber hineinfiel. In ihrer Todesangst, nicht selbst Opfer des Wolfes
zu
werden, drückte sie der Gans den Wind ab. Dafür erntete sie
am
nächsten Morgen bei der Nachschau der Gruben hämisches
Gelächter.
Auch
die Sage vom
"Schwarzen
Hund auf der Asch" geht weiter um, der in dieser Gestalt den
Müller
aus Wietzendorf verkörpert und jede Nacht in der Geisterstunde
einen
Hahnentritt weiter gen Wietzendorf geht, um sein betrogenes
Müllererbe
zurückzuholen. Niemand ging daher des Nachts durch die wilde Asch,
da sich alle vor dem schwarzen Hund fürchteten.
Oder
die Geschichte des
Heidhofes
hinter dem "Bekeln Holze", ehemals ein alter germanischer
Gerichtsplatz,
wo dem Übeltäter gehörig mit dem Stecken vor dem
Schienbein
geschlagen wurde. Der Heidhof, der dann in der Hildesheimer Stiftsfehde
1519 und nach der Schlacht bei Soltau durch marodierendes Gesindel
abgebrannt
wurde, Frau, Kinder, Mägde und Knechte erschlagen, während
der
Bauer auf dem Heimweg vom Kirchgang nach Bergen war. Er sah Rauch
über
dem Holze, sein Hund kam ihm jaulend entgegen gelaufen und er rief aus:
"Meine Leute leiden Not". Er wollte fortan nicht mehr leben und ging
zum
Reihetisch bei den Bauern in Becklingen, Wardböhmen und Hoope.
Dafür übereignete er ihnen sein Eigentum, die spätere
Heidhofgenossenschaft,
die bis 1936 existierte und dann an den Wehrfiskus verkauft wurde.
Die
Wolfsbahn auf dem
Becklinger
Holz mit dem Wolfsstein und der Jahreszahl 1872 erinnert an den letzten
in unserer Gegend erlegten Wolf durch den Förster Grünewald
aus
Wardböhmen. Sein Balg wurde zur Schau gestellt, der Eintrittspreis
kostete 10 Pfennig.
Die
Landschaftsteile
Becklinger
Holz "des Herzogs beste Jagd" und die Wilde Asch, immer eng mit
Becklingen
verknüpft, waren bis in unsere Zeit gute Jagdreviere, die Asch
auch
bekannt für "Wilddieberey", wo sich auch schon mal die Becklinger
mit "Grefel-Dortschen" oder den Einzingern ins Gehege kamen. Auch der
Amtsvogt
stellt 1705 konsterniert fest:
"Die
Wild-Dieberey ist in diesem Dorffe Beckling itzo immer noch gang und
gäbe!"
Der
heutige humoristische
Ausspruch, der gelegentlich bei Schießveranstaltungen zu
hören
ist, "Die Becklinger Wilddiebe kommen", stammt sicher aus dieser Zeit.
Es bezeugt aber auch, daß in Becklingen das Jagen und
Schießen
sehr beliebt war und bis heute ist.
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