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Eeine
Week ver Pingsten is in Bekel Schüttengill -
Die ersten
Schützenfeste
in den "Zwanziger Jahren", entnommen aus den
Protokolbüchern
des Schützenvereins Becklingen.

Die
Könige von 1922 bis
1928
Das
1.
Schützenfest in Becklingen im Jahre 1922
Nachdem
am 13. Juli 1922
in
einer Schützenversammlung bei Herrn Gastwirt Dehnbostel (Heinrich
Dehnbostel) die letzten Vorbereitungen zur Ausrichtung des 1.
Schützenfestes
in Becklingen getroffen waren, wurde die Öffentlichkeit mit einer
Anzeige im „Berger Boten“ hierzu eingeladen.

Anzeige aus dem Boten des ehemaligen Amtes Bergen
vom 22.07.1922
Der
Saal
war
beim Gastwirt „Zum Becklinger Holz“ aufgestellt, die Musik war
bestellt,
Heinrich Dehnbostel als Festwirt ausgewählt und gefeiert werden
sollte
am Sonntag, den 23. und Montag, den 24 Juli 1922. Auch ein
Preisschießen
wurde angeboten, als Preise gab es Fleischpreise eines Hammels. Ein
Büchsenlader,
der Gewehr und Munition mitbrachte, war bestellt, geschossen wurde mit
Großkaliber und dem Karabiner K 98. Einen Schießstand gab
es
noch nicht, auch keine Anzeigerdeckung. Geschossen wurde auf einem Weg,
der von Petermanns Kiesgrube (heute ist dort der Kugelfang unseres
Schießstandes)
in Richtung Norden an Lohmanns Birkenbusch entlang (heute Acker) zum
Horstberg
verlief. Als Schießstand diente ein Tisch und ein Stuhl, und in
100m
Entfernung stand ein Bock mit der Ehrenscheibe (Königsscheibe),
die
direkt beschossen wurde. Einen Kugelfang und Absperrungen brauchte man
noch nicht. Hasen und Rehe brachten sich bei dem Geknalle von allein in
Sicherheit und Menschen hatten dort nichts zu suchen, bzw. mieden das
Kugeleinschlagsgebiet.
Die Kugeln landeten im Sand des Horstberges, der so ein
natürlicher
Kugelfang war. Geschossen wurde auf eine 13er Ringscheibe, die erst ab
1950 durch die 12er Ringscheibe abgelöst wurde.
Viele
hier beim 1.
Schützenfest
getroffenen Abläufe, Vereinbarungen und Verbindungen sollten
fortan
über Jahrzehnte beibehalten werden. Erinnert sei hier an
Großkaliberschießen
direkt auf die Scheibe, was bis 1939 stattfand und das Feiern des
Schützenfestes
am Sonntag und Montag, das mit einer Ausnahme 1929 sogar bis in die
Nachkriegszeit
beibehalten wurde.
Die Rahmenbedingungen waren
also zur Ausrichtung des 1. Festes geschaffen. Die großpolitische
Lage in Deutschland war nicht gerade erfreulich. Reichspräsident
Ebert
und sein Reichskanzler hatten es schwer, Deutschland zu regieren, die
Inflation
trieb schnell voran. Die örtliche politische Verantwortung lag
1922
schon seit über 25 Jahren in den Händen des
Gemeindevorstehers
Karl Meyerhoff (Ebels) Haus-Nr. 4.
Das
liebe Geld war in
diesem
Jahr knapp, viele Menschen hatten keine Arbeit. Der Haussohn hatte
Schmalhans
im Geldbeutel, die Knechte wenig Geld und so kam es, daß der
Bauer
seine „Kerls und Deerns“ wiederholt einen ausgab, besonders montags,
wenn
das Dorf unter sich feierte.
Zum
Geldwert beim 1.
Schützenfest
ein paar Zeilen. Der Bierpreis ist uns nicht be-kannt, dafür
aber der Brotpreis und ein paar Währungszahlen vom März 1922.
So kostete das 3-Pfund Brot 25 Mark. Das reich zahlte für 20
Goldmark
950 Mark Pa-piergeld, die Silbermünzen wurden mit dem Nennwert mal
18 gehandelt und für 1 Dollar gab es 305 Mark.
Schon
drei Monate
später
beim Schützenfest gab es für 20 Goldmark 85.000 Mark und
für
einen Dollar 47.500 Mark. Und nur einen Monat später im August gab
es für 20 Goldmark bereits 300.000 Mark. Alles in allem keine
rosigen
Zeiten zum Feiern, dennoch feierte man fröhlich und sang:
„Här’n
wi noch en Lüttjen, ... groten krei’n wi oog
noch
ut.“
Aufzeichnungen
über
Regularien
und den Ablauf des Festes 1922, sowie der Abrechnung liegen nicht mehr
vor. Auch die Schießbücher sind nicht mehr vorhanden.
Aufgezeichnet
ist jedoch der 1. Schützenkönig Hermann Meyerhoff aus Bokel,
der aus Becklingen stammte (Bruder von Karl Meyerhoff (Maikarl),
Haus-Nr.
41, heute B. Meyerhoff / A. Kohrs). Die Minister sind aus der gesamten
Vorkriegszeit nicht bekannt. Das 1. Schützenfest war geschafft,
der
Anfang war gemacht, weitere schöne Schützenfeste sollten
trotz
der bevorstehenden, wirtschaftlich schwierigen Jahre folgen.
Noch
einige Zitat aus der
damaligen Presse:
"Becklingen,
25. Juli. Zwei auf dem hiesigen Schützenfeste am Sonntag
gestohlenen
Damenräder konnten den Spitzbuben, zwei Handwerkslehrlingen aus
Wardböhmen
gestern bereits in Cell wieder abgenommen werden, womit ihr bis dahin
unternommener
Ausflug ein frühzeitiges Ende fand."
"Becklingen,
27. Juli. Nicht, wie irrtümlich berichtet, auf unserm
Schützenfest,
sonder auf dem Hofe des Besitzers aus einem Schuppen haben die beiden
Handwerkslehrlinge
im benachbarten Wardböhmen die beiden Fahrräder entwendet,
auf
denen sie das Weite gesucht hatten."
Das
Schützenjahr
1923
Auch
aus diesem Jahr
liegen
keine Protokollaufzeichnungen vor. Eine Anzeige vom 12. Juli 1923 im
Berger
Boten lädt zum Schützenfest nach Becklingen zum 15. Und 16.
Juli
ein.
Es gab
damals zwei
Gastwirtschaften
im Dorfe, hatte 1922 Heinrich Dehnbostel das Fest ausgerichtet, so
hatte
man es in diesem Jahr an Hermann Oehus vergeben, der die
Bahnhofsgastwirtschaft
betrieb. Das Schützenfest fand also am Bahnhof statt, denn hier
auf
dem Grundstück von Hermann Oehus war das festlich geschmückte
Zelt aufgestellt worden.
Das
Fest stand unter dem
Motto: "In
Ost und West, to Hus ist best, noch bäter uppen Beckler
Schüttenfest!"
Der
Schützenkönig
wurde Heinrich Baden. Er war als Bierfahrer in Soltau tätig und
hatte
hier eingeheiratet. Auch in diesem Jahr wurde wieder ein
Preisschießen
durchgeführt. Hier (besser: Damit) entstand eine Tradition, die
bis
auf den heutigen Tag beim Schützenverein Becklingen beibehalten
wurde.
Wo das Schießen durchgeführt wurde, ist nicht genau bekannt,
nach mündlicher Überlieferung unserer Altvorderen war der
improvisierte
Schießstand in Rippen Kieskuhle aufgebaut.
Auch
das Jahr 1923 war
für
den jungen Verein ein unruhiges Jahr. Die politischen Verhältnisse
waren weiterhin instabil und die Inflation galoppierte munter weiter.
Im
Januar marschierten französische und belgische Truppen „zur
Sicherung
produktiver Pfänder“ ins Ruhrgebiet ein. Der daraufhin
verkündete
passive Widerstand heizte die Wirtschaftskrise und den
Währungsverfall
weiter an. Auf der Golzheimer Heide bei Düsseldorf wurde Albert
Leo
Schlageter von französischen Truppen standrecht-lich erschossen,
weil
er Anschläge auf Verkehrsverbindungen der französischen
Truppen
ausgeführt hatte. Diese Maßnahme löste Empörung
und
Widerstand im ganzen Reiche aus. A.L. Schlageter wurde nach seinem Tode
vielfach durch Denkmäler geehrt, so auch in unserem Nachbardorf
Wardböhmen,
wo ihm ein Denkmal auf dem Schafstallberg gesetzt wurde.
Am 23.
September wurde im
Reich der Ausnahmezustand verhängt. Am 9. November 1923 rief
Hitler
im München die nationale Diktatur aus, der Putsch wurde jedoch im
Keim erstickt. Im Herbst erreichte die Inflation ihren Höhepunkt.
Es wurde so schlimm, daß man dazu überging, Löhne noch
am gleichen Arbeitstag abends für die tagsüber geleistete
Arbeit
auszuzahlen. Der Kaufwert hatte sich jedoch häufig vom Morgen bis
zum Abend halbiert oder er hatte noch mehr verloren, so daß man
für
den Tageslohn abends nicht mehr das Brot bekam, daß man am Morgen
noch hätte bezahlen können. So kostete am Montag, 16. Juli,
also
am Schützenfesttage, ein Brot 9.500 Mark und für einen
Zentner
Roggen mußten 135.000 Mark bezahlt werden. In den nächsten
Monaten
wurde nur noch in Millionen und Milliarden gerechnet, ja sogar
Billionenmarkscheine
kamen in Umlauf (siehe auch Bildwandausstellung „Inflationsgeld“ von G.
Ebel im Schießstand LG-Raum).
Vor dem Schützenfest
konnte noch Gerste an die Brauerei gegeben werden und die Brauerei
lieferte
dafür noch gutes Leichtbier, danach gab es nur noch Molkebier. In
den Gastwirtschaften stand der Wassertopf mit der Kelle auf dem Tisch
und
jeder konnte sich selbst mit Wasser bedienen und hatte Glück, wenn
er einen Eigenbrandschnaps dazu erhielt.
Am 15. November 1923 war
es dann mit dem finanziellen Elend erst einmal vorbei, viele Menschen
hatten
Besitz und Erspartes verloren und waren bettelarm geworden. Mit der
neuen
Währungsordnung wurde die Rentenmark eingeführt und es gab
für
1 Billionen Papiermark, die sogenannte „Bill-“ oder „Bi-Mark“, eine
neue
Rentenmark.
Wie die
Inflation in den
Jahren
von 1919 bis 1923 gewütet hatte, verbunden mit Preissteigerungen,
der totalen Aushöhlung der Währung und einer Flucht in die
Sachwerte,
zeigt die folgende abschreckende Aufstellung:
1
Goldmark von 1914
entsprachen
im Dezember 1919 10 Reichsmark
31. Oktober 1922 1.000
Reichsmark
20. Juli 1923 100.000
Reichsmark
16. August 1923 1
Millionen
Reichsmark
02. Oktober 1923 100. Mio.
Reichsmark
11. Oktober 1923 1 Mrd.
Reichsmark
19. Oktober 1923 10
Mrd. Reichsmark
20. November 1923 1.
Bill. Reichsmark
Im
Schützenverein
Becklingen
war schon gleich im Gründungsjahr die Anschaffung einer Fahne
angeregt
worden. Doch hierum hat es in den ersten Jahren und auch noch bis zur
Anschaffung
1928 viel Streit gegeben. Dieser Streit führte in Folge zu
Austritten,
einer handfesten Prügelei und zum Rücktritt des Vorsitzenden.
Auf dem Schützenfest 1923 am Bahnhof kam es wegen der Anschaffung
der Fahne zwischen dem König Heinrich Baden und Hermann Denecke
(Haus-Nr.
42) zur oben besagten Prügelei. Man wollte eine Fahne haben, es
gab
aber Schwierigkeiten mit dem Geld in der Inflation, denn die Fahne
sollte
4 Millionen Mark kosten. Man traute sich nicht, die Fahne in so
unsicheren
Zeiten zu bestellen. Das Thema blieb aber weiter aktuell und sollte in
den nächsten beiden Jahren noch zu Streit und weiteren
Auseinandersetzungen
führen.
Das
Schützenjahr
1924
Erstmals
liegen 1924
Aufzeichnungen
aus der Geschäftsführung des Schützenver-eins Becklingen
vor. Vorhanden ist das 1. Einnahme- und Ausgabenbuch (Rechnungsbuch)
und
das 1. Protokollbuch, daß die Jahre 1924 - 1939 und 1950 - 1959
umfaßt,
mit Ausnahme des Protokolls des Jahres 1925. Hierin ist auch die erste
Mitgliederliste verzeichnet, die 29 Mitglieder ausweist, der
Schützenverein
hatte sich also seit seiner Gründung 1922 nach dieser Liste um 5
Mitglieder
erweitert. Da die Mitgliederliste vermutlich die auf der Versammlung
anwesenden
Mitglieder ausweist, ist davon auszugehen, daß der Verein noch
weitere
Mitglieder hatte, die hier nicht erfaßt sind. Belegt ist dies
durch
die Tatsache, daß z.B. Otto Lindhorst, Dietrich Lindhorst und
Heinrich
Ebel sen. sen. Mitglieder waren, letzterer wurde 1930 zum 1.
Ehrenmitglied
ernannt. Der Verein dürfte 1923 insgesamt um 35 Mitglieder gehabt
habe. Eine Liste aller Mitglieder ist nicht vorhanden.
Im
Anhang der
Mitgliederliste
sind 4 Mitglieder, die zum Vorstand gehörten, aufgezeichnet. Der
Vorstand
bestand satzungsgemäß aus 6 Mitgliedern:
- Vorsitzender
Heinrich
Eggersglüß,
Haus-Nr. 32 (Petermann)
- Kassenführer
Otto
Meyerhoff,
Haus-Nr. 4 (Ebels)
- Schriftführer
Robert
Jünemann,
Haus-Nr. 38 (Volkmann)
- Stellvertr.
Schriftführer
Heinrich Ebel sen. sen. (Hagens)
Desweiteren ist bekannt,
daß Heinrich Baden, Haus-Nr. 3 (Hinz Baden), zum Vor-stand
gehörte.
Das 6. Vorstandsmitglied läßt sich für 1924 nicht
eindeutig
nachwei-sen, nach Befragung älterer Mitglieder war es Karl
Meyerhoff,
Haus-Nr. 7 (Grauns), der sich ab 1925/26 bis 1939 nachweisen
läßt.
Es kann davon ausgegangen werden, daß dieser Vorstand, obwohl
keine
schriftlichen Aufzeichnungen vorliegen, seit der Gründung 1922
bestanden
hat. Aus den Aufzeichnungen geht weiter hervor, daß Wilhelm
(Willi)
Helmke, Haus-Nr. 2a (Lohmanns), Vereinsbote war und für diese
Tätigkeit
beitragsfrei geführt wurde.
Im
Sommer 1924 sollte
jedenfalls
das 3. Schützenfest beim Schützenbruder Heinrich Dehnbostel
gefeiert
werden. Gefeiert wurde in diesem Jahr nur an einem Tag, Sonntag, den
27.
Juli, wieder mit Hammelverschießen. Die Gründe, warum nur an
einem Tag gefeiert wurde, sind nicht bekannt. Der eine Tag sollte
jedoch
wie wir aus den Aufzeichnungen ersehen können, noch nachgeholt
werden.
Schützenkönig
1924
wurde Heinrich Baden, Haus-Nr. 3 (Hinz), der die Würde auch schon
1923 errungen hatte.
Die
Abrechnung erfolgte 2
Tage nach dem Schützenfest am 29.07.1924. Aus den Aufzeichnungen
geht
hervor, daß die Abrechnung in Goldmark erfolgte und in der
Einnahmenseite
folgendes Ergebnis aufweist:
- Beiträge
54,- M.
- Platzgeld 22,- M.
- Preisschießen
33,-
M.
- Tanzgeld 58,50 M.
- Sonstige
Einnahmen
30,- M.
Gesamt
hatte es Einnahmen
von 197,50 Mark gegeben. Dem standen Ausgaben mit folgenden
Einzelposten
gegenüber:
- Musik 74,- M.
- Schaf 21,- M.
- Tanzschein 25,50
M.
- Scheibe 9,- M.
- Zeitung 9,- M.
- Nägel
1,-
M.
- König 15,- M.
- Tagelohn 11,- M
- Ausgaben gesamt:
170,60
Mark
Die
Abrechnung
schließt
mit einem Überschuß von 21,- Mark ab, worin vermutlich ein
Kassenbestand
enthalten ist, da die Einnahmen mit 197,50 Mark abzüglich der
Ausgaben
von 170,60 nur einen Überschuß von 6,80 Mark.
An
Beiträgen waren
1924
pro Mitglied 2,- M. erhoben worden und als Tanzgeld (Eintritt)
mußte
1,- M. bezahlt werden.
Auffällig
ist in der
Abrechnung, daß die Musikkosten für einen Tag mit 74,- M.,
die
Beitragseinnahmen von 54,- M. und die Tanzgeldeinnahmen mit 58,50 M.
als
Einzelposten übersteigen. Es zeigt auch, daß sich die
Musikkosten
nicht durch die Eintrittsgelder decken ließen.
Beim
Preisschießen
wurde
ein Überschuß von 12,- M. erzielt, wobei die Abrech-nung
nichts
über Kosten des Büchsenladers, der Büchse, der Munition
und der Scheiben aussagt. Vermutlich mußten die Schützen die
Schießkosten direkt an den Büchsenlader bezahlen, der mit
seinen
Utensilien bestellt wurde, um mal hier und mal dort das Schießen
durchzuführen. Eigene Gewehre hatte der Schützenverein in der
Vorkriegs- und in den ersten Jahren der Nachkriegszeit noch nicht.
Erstaunlich
sind weiterhin die Kosten für den Tanzschein mit 25,60 M., die
für
die damalige Zeit enorm hoch waren. Das Königsgeld zeigt mit 15 M.
das ca. achtfache des Beitrages auf, ein Verhältnis, das
noch
heute besteht, wo der König 800,- DM erhält. Vergleicht
man das Tanzgeld von 1924 in Höhe von 1,- Mark mit dem heutigen
Tanz-geld
in Höhe von 8,- DM, so kann das Tanzgeld heute als sehr preiswert
angesehen werden.
Auf
einer weiteren
Versammlung
am 8.11.1924 wurde ein Schützenball für den 14.12.1924 um
16.00
Uhr beschlossen, der bei Dehnbostel gefeiert werden sollte. Als Musik
hierfür
wurden 4 Mann bestellt. Der Wirt hatte die Beköstigung der Musik
zu
übernehmen, jedoch freibleibend, wie es vermerkt ist, was wohl
bedeutete,
daß es dem Wirt überlassen blieb, wie er die Musik
beköstigen
wollte. Um feiern zu dürfen, mußten an die Kreiskasse Celle
3,- Mark an Steuern abgeführt werden. Ob dieser Schützenball
ein Ausgleich für den entfallenden 2. Schützentag sein
sollte,
läßt sich heute nicht mehr nachweisen.
Zwei
weitere Punkte der
Tagesordnung
behandelten zum erstenmal protokollarisch nachweisbar die Anschaffung
einer
Fahne. Es wurde einstimmig die Anschaffung einer Fahne beschlossen und
der Extrabetrag hierfür sollte monatlich 50 Pfennig betragen, der
alle zwei Monate vom Vereinsboten mit 1,- Mark eingesammelt werden
sollte.
Im
Protokollbuch sind
hierzu
4 Skizzenvorschläge vermerkt, wie die Fahne aussehen sollte. Der
Beschluß
zur Anschaffung der Fahne war also am Ende des Jahres 1924
gefaßt,
die Meinungsverschiedenheiten hierzu sollten jedoch 1925 noch einmal
voll
ausbrechen.
In der
Abrechnung des
Schützenballs
vom 20.12.1924 ergeben die Einnahmen Tanzgelder in Höhe von 72,45
M., die Einnahmen des Schützenfestes übersteigen. Hier
mußten
also auch die Mitglieder Tanzgeld bezahlen. Die Ausgaben betrugen 66,70
M. Die Musik erhielt 40,- M., ist also preiswerter als beim
Schützenfest,
was auf die nicht angefallenen Kosten für die Umzugsmusik
zurückzuführen
ist. Auch hier fällt ein Einzelposten für die
Tanzstundenverlängerung
mit 15,- M. auf, der aus heutiger Sicht als sehr teuer erscheint.
Kosten
für ein Festessen oder gar Katerfrühstück kannte man
damals
noch nicht und über die horrenden Forderungen der heutigen GEMA
für
Musikaufführungsrechte brauchte man sich auch noch nicht zu
ärgern.
Alles in allem ging es dem Schützenverein jedoch am Jahresende
1924
finanziell leidlich gut, denn er hatte bei einem Jahresumsatz von
293,45
M. einen Jahresüberschuß von 56,15 Goldmark erzielt, der
einen
guten Start für das Jahr 1925 versprach.
Die
politische
Großwetterlage
hatte sich 1924 etwas entspannt. Außenpolitisch waren im
Dawesplan
die Reparationszahlungen Deutschlands an die Alliierten geregelt
worden.
Innenpolitisch löste die Einführung der Reichsmark (RM) die
Rentenmark
ab und es begann ein langsamer wirtschaftlicher Aufstieg, der von hohen
und noch weiter stei-genden Arbeitslosenzahlen begleitet war. Trotz
dieser
bescheidenen Anzeichen kam die deutsch Wirtschaft, aber auch die
Weltwirtschaft
nicht richtig in Schwung und alles steuerte langsam aber sicher auf
eine
Wirtschaftskrise zu. Trotzdem sollten diese Jahre in späteren
Jahren
als die „Goldenen Zwanziger“ bezeichnet wer-den, was sich nicht nur auf
die Musik und den Modetanz „Charleston“ bezog.
In der
alten Festungshaft
in Landsberg am Lech schrieb Adolf Hitler seine politischen
Vorstellungen
für ein neues Deutschland in dem Buch „Mein Kampf“ auf. Im Reich
erfolgte
die Neugründung der NSDAP.
Im
örtlichen Bereich
wurde Heinrich Dehnbostel am 1. August 1924 Gemeindevorsteher und
löste
Karl Meyerhoff, Haus-Nr. 4 (Ebels) ab, der 28 Jahre dieses Amt inne
gehabt
hatte.
Das
Schützenjahr
1925
Im
ersten Protokollbuch
des
Schützenvereins Becklingen sind die Jahre ab 1924 in kurzer,
knapper
Form protokolliert, mit Ausnahme des Jahres 1925. Dennoch
läßt
sich über dieses Jahr einiges berichten, aus den Aufzeichnungen im
Rechnungsbuch, aus Zeitungsanzeigen und sonstigen Quellen, aber auch
aus
Berichten von Zeitzeugen.
Das
Jahr 1925 begann
turbulent
für den Schützenverein und brachte Veränderungen in der
Führung des Vereins. Diesem Umstand mag es zuzuschreiben sein,
daß
für 1925 kein Protokoll aufgeschrieben wurde.
Was war
der Anlaß,
was
war geschehen?
Die
verschiedenen
Ansichten
um die Beschaffung einer Fahne prallten erneut aufeinander. Mit den
bescheidenen
Eigenmitteln und den gesammelten Geldern für die Fahne war
abzusehen,
daß es wohl Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern würde, bis
das
Geld für die Anschaffung einer Fahne zusammen sein würde. Es
gab jetzt wieder ein Für und Wider um die Fahne, nachdem die
Beschaffung
in der Inflationszeit schon einmal gescheitert war. In dieser Situation
erklärte sich Dietrich Lindhorst, Haus-Nr. 31 (Dralle) bereit, die
Fahne zu kaufen. Nicht bekannt ist, ob er die Fahne privat kaufen und
dem
Verein stiften wollte, oder ob er das Geld nur vorschießen
wollte.
Überliefert ist nur sein Spruch: „Denn
köp ick de Foahnen“. Er
bestellte daraufhin in Hannover bei der Firma Franz Reinert die Fahne.
Dies geschah ohne Wissen und über den Kopf des 1. Vorsitzenden
Heinrich
Eggersglüß hinweg und führte im Schützenverein zu
starken Zerwürfnissen, die mit dem Austritt von Dietrich Lindhorst
und der Niederlegung des Vorsitzes von Heinrich Eggersglüß
endeten.
In diesem Zusammenhang traten einige weitere Mitglieder aus und noch
1926
ein weiteres Vorstandsmitglied. Nicht bekannt ist, ob die Bestellung
der
Fahne zurückgenommen wurde oder ob sie angefertigt wurde,
jedenfalls
wurde erst 1928 wieder über die Beschaffung der Fahne entschieden.
Diese
Veränderungen
führten
zur Neuwahl des Vorsitzenden, gewählt wurde Ernst Meyerhoff,
Haus-Nr.
4 (Ebels / Schramms). Der Vorstand bestand jetzt aus folgenden
Mitgliedern:
- Ernst Meyerhoff
sen.,
Haus-Nr.
4, Vorsitzender
- Otto Meyerhoff,
Haus-Nr.
4, Kassenführer
- Robert
Jünemann,
Haus-Nr.
38, Schriftführer
- Heinrich Ebel
sen.,
Haus-Nr.
12, Stellvertr. Schriftführer
- Heinrich Baden,
Haus-Nr. 3
- Karl Meyerhoff,
Haus-Nr. 7
Nach
diesen
Veränderungen
beschloß man auf einer weiteren Versammlung das Schützenfest
am Sonntag, den 17. und Montag, den 18. Mai 1925 zu feiern. Zum ersten
Male wurde das Schützenfest auf den Sonntag vor Pfingsten verlegt
und gefeiert. Dieser Termin, eine Woche vor Pfingsten, ist mit wenigen
Unterbrechungen bis heute beibehalten worden und hat sich im Laufe der
Jahre zu einem festen Traditionstermin entwickelt:
- Eeine Week ver Pingsten is in Bekel Schüttengill -
In
diesem Jahr wurde
wieder
beim Schützenbruder Hermann Oehus auf dem Bahnhofe gefeiert, wo
wieder
am Montag ein Preisschießen in Form eines
Hammelverschießens
stattfand. Schützenkönig 1925 wurde Wilhelm Lindhorst,
Haus-Nr.
33 (Lindhorst Otto).
Auf dem
Schützenfest
betrug das Tanzgeld in diesem Jahr 2,- RM für Männer und 1,-
RM für Frauen. Es war seinerzeit üblich, über der
Ausgabe
eines Tanzbandes den Namen des Schützenfestbesuchers
aufzuschreiben.
Diese Maßnahme wurde noch bis in die Nachkriegszeit beibehalten.
Aus dem Jahre 1925 liegt uns die einzige erhaltene Liste der Teilnehmer
des 1. Schützenfesttages vor, die ohne die Mitglieder, 98 zahlende
Besucher ausweist und mit einer Einnahme von 164,- RM Tanzgeld
abschließt.
Weitere
wichtige Posten
waren
bei der Abrechnung in der Einnahme
der Scheibenstand mit 82,-
RM,
das Fahnengeld mit 29,- RM
und vom
Festwirt Hermann Oehus ein
Betrag von 50,- RM.
Auf der
Ausgabenseite sind
die wichtigsten Posten:
- Musik 125,- RM
- Saal 120,- RM
- Fuhrlohn für
den
Saal 60,-
RM
- König 30,- RM
- Zimmermann 25,- RM
- Königsscheibe
12,50
RM
- Fritz Kruse
Fleischpreise
30,-
RM
- Tanzschein 30,60
RM
- Schießschein
5,25 RM
- Steuern 30,00 RM
Das
Schützenfest
schloß
mit einem Minus von 81,50 RM ab.
Am 5.
August wies die
Kasse
jedoch schon wieder ein Guthaben von 30,- RM auf, weil noch
rückständige
Mitgliedsbeiträge eingegangen waren. Die Preise beim
Preisschießen
in den ersten Jahren der Schützenfeste bestanden
ausschließlich
aus Fleischpreisen, was sicher auf den Bedarf an Fleisch hinweist. Wo
die
Hammel der ersten Jahre gekauft wurden, ist nicht bekannt, die ersten
Fleischpreise
1925 jedoch wurden bei Schlachter Fritz Kruse in Bergen gekauft,
ehemals
links neben der Volksbank.
Am 9.
August 1925 bot der
Schützenverein zum erstenmal ein separates Preisschießen auf
dem Scheibenstand am Bahnhof an. Es wurde eine Einnahme von 92,- RM
erzielt.
Die Preise wurden beim Kaufmann Ahrens in Bergen für 38,20 RM
gekauft.
Der Verein verschoß zum erstenmal Sachpreise. Die Gesamtausgaben
betrugen 70,30 RM. Das Jahr schließt mit einem Guthaben von 90,70
DM ab.
Im
politischen Raum traten
in Deutschland 1925 folgende Veränderungen ein: Im Februar 1925
starb
Reichspräsident Ebert und im April wurde Generalfeldmarschall Paul
von Hindenburg zum Nachfolger Eberts gewählt. Im Juli erfolgte die
Räumung des Reichsgebietes durch die französischen und
belgischen
Truppen.
Das
Schützenjahr 1926
Am
1.5.1926 trafen sich
die
Schützen zur Generalversammlung, um die notwendigen
Beschlüsse
für das Schützenfest zu beschließen und Vorstandswahlen
durchzuführen. Heinrich Baden (Hinz) war aus dem
Schützenverein
ausgetreten, sein Vorstandsposten stand zur Neuwahl an. Heinrich Baden
war im Schützenverein nacheinander 1923 und 1924
Schützenkönig
gewesen, war Vorstandsmitglied und trat wegen Meinungsverschiedenheiten
um die Anschaffung der Fahne aus dem Schützenverein aus. Die
Neuwahl
des Vorstandes ergab eine Wiederwahl des bestehenden Vorstandes,
für
das Mitglied Heinrich Baden wurde Wilhelm Oehus sen. sen. gewählt,
Karl Meyerhoff übernahm das Buchführen.
Der
Vorstand setzte sich
jetzt
wie folgt zusammen:
- Ernst Meyerhoff
Vorsitzender
- Otto Meyerhoff
Kassenführer
- Karl Meyerhoff
Buchführer
- Heinrich Ebel
Stellv.
Buchführer
- R. Jünemann
- Wilhelm Oehus
sen.
sen.
Zu
weiteren
Tagesordnungspunkten
wurden folgende Beschlüsse der Versammlung gefaßt:
"Das
Schützenfest soll in diesem Jahre am Sonntag, den 20. und Montag,
den 21. Juni 1926 gefeiert werden.
Das
Fest wird dem Gastwirt Hermann Oehus übertragen und das
Schützenfest
findet auf dem Saal am Bahnhof statt. Er
bezahlt 10,- RM an den Verein, muß aber die Musik
beköstigen,
ebenfalls die Zimmerleute, die das Zelt aufstellen. Die
Vereinsmitglieder müssen sämtlich beim Aufbau des Saales
helfen
und kostenfrei den Scheibenstand instand setzen. Als
Königsgeld werden 30,- RM festgesetzt. Otto
Lindhorst übernimmt das Einsammeln der Beiträge."
Erstmalig
läßt
sich aus dem Protokoll entnehmen, woher der Saal, die Musik und der
Büchsenlader
kommen. Es heißt:
„Es
soll
der Einzinger Saal bestellt werden. Als Musik soll Bauck aus Bergen
bestellt
werden (Bauck mogdt Klamauck). Der Büchsenlader kommt aus
Fallingbostel
und heißt Bunt.“
Neuer
Schützenkönig
wurde 1928 Karl Hormann sen. (Haus-Nr. 28). Abgerechnet wurde das
Schützenfest
in der Einnahme mit folgenden wichtigen Posten:
- Preisschießen
20.
Juni
65,- RM
- Preisschießen
21.
Juni
76,- RM
- Tanzgeld
151,- RM
- zusätzlich
Kassenbestand
und sonstige Posten
- Gesamteinnahme
429,70 RM
Auf der
Ausgabenseite
entstanden 422,30 RM, so konnte ein Kassenbestand von 7,40 RM am 10.
Juni
1926 festgestellt werden.
Die wichtigsten Posten auf
der Ausgabenseite waren:
- Fuhrlohn
20,- RM
- Tanzschein und
Preise
60,10 RM
- Königsgeld
30,- RM
- Musik
125,-
RM
- Saal an
Einzingen
100,-
RM
- Steuern
15,- RM
- Anzeige
Linnemann
14,70 RM
- Gastwirt
Helms
42,40 RM
- Ehrenscheibe
12,30 RM
Nicht
eindeutig ist die
Ausgabe
Gastwirt Helms mit 42,40 RM. Es wird sich wahrscheinlich um den Betrag
für den Einkauf der Preise zum Preisschießen handeln, die
von
einem Gastwirt gekauft wurden, der auch ein Waren- und
Händlergeschäft
betrieb.
Wirtschaftlich
und
politisch
trat eine Beruhigung ein. Die wirtschaftliche Produktionsleistung in
Deutschland
übertraf 1926/27 den Vorkriegsstand, ebenso übertrafen die
Exporte
diejenigen von 1913. 1926 erfolgte in Genf die Aufnahme Deutschlands in
den Völkerbund. Aus zwei kleinen Luftverkehrsgesellschaften wird
die
Deutsche Lufthansa gegründet und entwickelt sich im kommenden
Jahrzehnt
zu einer der renommiertesten Fluggesellschaften der Welt.
Das
Schützenjahr
1927
Die
Generalversammlung
fand
am 30.4.1927 statt. Der Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt.
Ein
Beschluß wurde gefaßt, das Schützenfest in diesem Jahr
am 29. Und 30. Mai zu feiern. Hierzu wurden weitere Beschlüsse
gefaßt,
u.a. soll das Preis-schießen an beiden Tagen stattfinden und es
sollen
Preise für ca. 40,- Mark gekauft werden. Als Büchsenlader
soll
wieder Tischlermeister Bunt aus Fallingbostel bestellt werden. Als
Musik
soll die vorjährige Musik (Bauck, Bergen) wieder bestellt werden.
Die Übernachtung der Musik soll der Vorstand regeln. Hierzu ist zu
vermerken, daß die Musiker in Privatquartieren bei den
Schützen
untergebracht waren und dort am nächsten Vormittag auch
beköstigt
wurden. Diese Regelung war Gang und Gäbe bis in die fünfziger
Jahre der Nachkriegszeit. Oft wurden dann nach durchfeierter Nacht noch
Eier gebacken und der mitgenommene Musikus mußte hier mit dem
„Tockbüdel“
noch weiterspielen oder mit der Trompete noch einen blasen. Desweiteren
wurde beschlossen, den Eintritt und den Beitrag bei 1,- Mark zu
belassen
und auf Vereinskosten Abzeichen und Schulterstücke anzuschaffen.
Als
neue Mitglieder traten
ein:
- Hermann Oehus 36
(Melkkutscher)
- Karl Oehus
(Haus-Nr.
38,
heute
Volkmann)
- Rudolf Habermann
(Haus-Nr. 5)
- Gustav Lindhorst
(Haus-Nr. 33,
Schausters Gustav)
- Robert
Jünemann
(Haus-Nr.
38)
R.
Jünemann war
von
1924 - 1926 als Schriftführer im Vorstand tätig, warum er
erst
jetzt oder erneut (?) in den Schützenverein eintrat, ist nicht
bekannt.
Trotz aller vorgenannten Beschlüsse wurde 1927 kein
Schützenfest
gefeiert, es heißt dazu:
„In
diesem
Jahr hatte die Dorfschaft Becklingen dermaßen viel Tote in ihren
Mauern zu beklagen, daß kaum ein Hausstand ohne Trauer blieb. Man
nahm aus diesem Grunde - rein gezwungenermaßen - mit einem
eintägigen
Preisschießen (am 29. Mai) vorlieb und ließ das
traditionelle
Schützenfest ausfallen.“
Die
weiteren
Beschlüsse
wurden umgesetzt und auf das Preisschießen wurde nicht
verzichtet.
So wurde am 29.5.1927 ein Preisschießen durchgeführt,
daß
eine gute Einnahme für den Verein hatte und mit einem
Überschuß
von 20,- Mark abschloß.
Schon
zwei Tage nach dem
Preisschießen
fand die Abrechnung des Preisschießens statt. Auf dieser
Versammlung
wurde von den Vereinsmitgliedern gefordert, einen Schützenball zu
feiern. Offensichtlich hatte es den Schützen trotz der vielen
Trauerfälle
im Dorf nicht gefallen nur ein Preisschießen ohne
Schützenfest
und Tanz durchzuführen. So beschloß die Versammlung einen
Schützenball
am 17. Juli 1927 beim Gastwirt Dehnbostel zu feiern. Dieser Ball fand
auf
der Diele statt und die Mitglieder mußten beim Saallegen und
Ausschmücken
helfen. Als Musik sollte eine Kapelle mit vier Mann als Sülze oder
Winsen bestellt werden. So feierte der Schützenverein Becklingen
trotz
Ausfall des Schützenfestes 1927 doch noch sein Fest, den
Schützenball.
Aus der
Abrechnung geht
hervor,
daß für 1926 noch die Königsscheibe mit 12,30 Mark
bezahlt
werden mußte. 1927 wurde ein Beitrag wie beschlossen von 1,- Mark
gesammelt. Im Kassenbuch ist aufgeschrieben „Einnahme 32,- M,
Neueintritte
5,- M und Rückständiger Beitrag 10,- M“. Daraus kann auf eine
Mitgliederzahl für 1927 von 47 Mitglieder geschlossen werden.
Weitere
Hauptposten waren
die Einnahme des Preisschießens mit 87,- Mark und die Ausgaben
mit
67,10 Mark, so daß ein Guthaben einschließlich der
Mitgliedsbeiträge
von 114,95 Mark vorhanden war. Die Preise wurden in Bergen bei C.
Ahrens
und Heinrich Hoormann (Fahrzeug-Werkstatt und Tankstelle in der Celler
Straße) und in Becklingen bei Heinrich Dehnbostel und Dietrich
Lindhorst
gekauft.
Der
Schützenball
wurde
mit 73,- Mark Tanzgeld Einnahme und einer Ausgabe von 109,50 Mark
abgerechnet,
wobei die Musik 60,- Mark und der Tanzschein 20,- Mark kosteten . So
schloß
die Abrechnung mit einem Minusbetrag von 25,60 Mark ab. Der
Jahresabschluß
jedoch wies ein Guthaben von 89,35 Mark aus.
Im Rechnungsbuch gab es in
den vergangenen Jahren nacheinander Veränderungen in den
Unterschriften
und Abzeichnungen. Wurde die Abrechnung noch 1924 mit „Der
Vorstand“ abgezeichnet,
so folgte 1925 „Für
die Richtigkeit“ mit
verschiedenen Vorstandsunterschriften. 1926 sind es neben den
Vorstandsunterschriften
schon weitere Namen der Mitglieder und ab 1927/28 heißt es „Für
richtig anerkannt“ bzw. „Für
richtig befunden“.
Es
zeichneten jetzt neben den Unterschriften einiger Vorstandsmitglieder
auch
Mitglieder, die offensichtlich als Kassenprüfer tätig waren,
sich jedoch noch nicht so benannten, die Abrechnungen ab. In diesem
Jahr
zeichneten neben den Vorstand, Heinrich Denecke sen., Heinrich
Rodehorst,
Albert Brandt, Karl Hoormann sen., Hermann Weide sen. sen., Wilhelm
Lindhorst
sen., W. Meyer-hoff und andere die Abrechnungen ab.
Per
Reichsgesetz wird 1927
in Deutschland die Arbeitslosenversicherung eingeführt und der
„Berger
Bote“ berichtet am 11. Nov. 1927:
=
OEFFENTLICHER
VORTRAG IN WARDBÖHMEN =
Am
Sonnabend,
den 5. November, fand im Gasthause „Zum Falkenberg“ ein Gästeabend
des Jungdeutschen Ordens, Gefolgschaft Wardböhmen statt. Der
Großmeister
der Bruderschaft Bergen, Behne, sprach eingehend über: „Die
Staatskrise
der Gegenwart und der zukünftige Staat“. Der Redner behandelte
diese
beiden, so außerordentlich interessanten Probleme sehr geschickt,
so daß der Abend einen ausgezeichneten Verlauf nahm. Es zeigte
sich,
wie stark das Interesse unserer Zeit für solche Probleme ist und
sein
muß. - Einen ähnlichen Vortragsabend mit Gästen
veranstaltete
die Bruderschaft Bergen am darauffolgenden Mittwoch im „Deutschen Haus“
zu Bergen.
ALLE
DIEJENIGEN
Einwohner
von Bergen und Umgebung, welche im Sommer an Kurgäste und
Sommerfrischler
Zimmer (mit und ohne Verpflegung) abgeben wollen, werden gebeten,
zwecks
Aufstellung einer Propagandaliste ihre Adresse schriftlich nebst Angabe
über Zimmer und Bettenzahl, ob mit oder ohne Verpflegung unter dem
Kennwort: „SOMMERZIMMER“ an die Geschäftsstelle des „Boten aus dem
ehemal. Amte Bergen“, Cellerstraße, baldigst abzugeben.
Das
Schützenjahr
1928
Nachdem
es 1927 kein
Schützenfest
gegeben hatte, wurden die Vorbereitungen für 1928 voll in Angriff
genommen, außerdem sollte in diesem Jahr mit der Anschaffung
einer
Fahne ernst gemacht werden.
Auf der
Generalversammlung
am 27.03.1928 wurde unter Pkt. 2 ein neuer Vorstand, diesmal mit
Stimmzettel,
gewählt. Ergebnis:
- Vorsitzender
Ernst
Meyerhoff
- 1.
Kassenführer Otto
Meyerhoff
- 2.
Kassenführer Karl
Meyerhoff
- 1.
Schriftführer
Heinrich
Ebel
- 2.
Schriftführer Karl
Hoormann
Das
6. Mitglied ist nicht im
Protokollbuch vermerkt, es ist Wilhelm Oehus sen. sen., der vor zwei
Jahren
in den Vorstand gewählt wurde und wahrscheinlich an diesem Abend
nicht
anwesend war.
Im nächsten
Punkt ging
es um die Anschaffung der Fahne. Der Beschluß lautet, die Fahne
soll
angeschafft werden, jedoch erst die Preislage und die
Lieferungsbedin-gungen
ermittelt werden. Weiter wird beschlossen, einen einmaligen Betrag von
4 Mark von den Mitgliedern zu sammeln. Hier scheint es wohl
Widerstände
gegeben zu haben, den im Protokollbuch heißt es:
„Bei
Verweigerung der Zahlung ist das Mitglied seine Rechte am
Vereinsvermögen
verlustig und die Mitgliedschaft erlischt mit dem selbigen Tage.“
Hiermit
war diese
Versammlung
beendet, aber bereits eine Woche später, am 3.4.1928, wurde zu
einer
weiteren öffentlichen Versammlung aufgerufen. Wieder ging es bei
Pkt.
1 um die Fahne. Es heißt:
„Die
Fahne ist zu den Vereinbarungen, die von den Mitgliedern eingesehen
werden
können, bei der Fa. Franz Reinecke in Hannover bestellt. Der Preis
beträgt 300 Goldmark, 100 Mark sind als Anzahlung geleistet.“
Desweiteren
wurde das
Schützenfest
auf den 13. Und 14. Mai festgelegt, wo es gefeiert werden sollte, war
noch
unbestimmt. In diesem Jahr sollte zum ersten Mal das Bleckmarer Zelt
aufgebaut
werden, das für beide Tage 150,- Mark kosten sollte. Die
Fuhrgelegenheiten
zum Holen des Zeltes regelte der Vorstand. Das Preisschießen
wurde
auf den 1. Festtag festgelegt, für Preise sollten 50,- Mark
ausgegeben
werden.
Unter
Pkt. 9 wird die 1.
Fahnensektion
gewählt, die aus 3 Mann bestehen sollte.
Gewählt wurden:
- Wilhelm
Habermann,
Haus-Nr. 5 (heute sen. sen.)
- Hermann
Ebel,
Haus-Nr.
19
- Heinrich
Gerken,
Haus-Nr. 23
Die
Fahne wurde künftig
bei Wilhelm Habermann aufbewahrt.
Das
Schützenfest
konnte
jetzt auf einer weiteren Versammlung am 26.04.1928 vorbereitet werden,
als Festwirt ist Gastwirt Dehnbostel auserwählt und der Termin
wurde
jetzt auf den 17. Und 18. Mai 1928 verlegt.
In diesem Jahr wurde das
Schützenfest mit der Fahnenweihe am 17.5.1928 feierlich begangen.
Die neue Fahne trägt auf der einen Seite die Inschrift
„Schützenverein
Becklingen 1922 - 1928“
und
zeigt auf der anderen
Seite eine Scheibe (?), darüber einen fliegenden Adler mit einem
Gewehr
in den Fängen und der Inschrift:
„Üb
Aug’ und Hand für’s Vaterland“
Zur
Fahnenweihe waren die
Nachbarvereine Wardböhmen und Bleckmar eingeladen. In einem
feierlichen
Akt wurde die neue Fahne mit dem Tuch der ältesten anwesenden
Fahne,
der des Schützenvereins Wardböhmen, geweiht. Von den
Schützenvereinen
Wardböhmen und Bleckmar erhielt der Schützenverein Becklingen
zur Fahnenweihe je einen Fahnennagel, die als erste am Schaft
angebracht
werden. Viele weitere Fahnennägel sollten in den kommenden
Jahrzehnten
am Schaft der Fahne noch angebracht werden.
Anläßlich
des
Schützenfestes und der Fahnenweihe 1928, entstanden auch die
ersten
Gruppenfotos
vom Schützenverein Becklingen. Schützenkönig wurde 1928
Karl Meyerhoff Haus-Nr. 41
Der
Rückmarsch des
Schützenvereins
führte damals in Höhe von Rehrmanns auf der
Reichsstraße
3 (heute „Alte Straße“), die noch mit sog. Napoleonpflaster
belegt war, entlang. Vorneweg marschierte der
Kommandeur
Heinrich Rodehorst, ausgestattet mit den Insignien seiner Würde,
Schulterschärpe
und Säbel. Dahinter marschierte die Kapelle "De Winser" mit 6
Musikern. Aus den Gewehrläufen der
Schützen
ragte der Blumenschmuck als Zeichen der Friedfertigkeit.
Nach
diesem aufwendigen
Schützenfest
trafen sich die Schützen zur Abrechnungsversammlung am Sonnabend,
den 26.5.1928, bei Dehnbostel. Vorweg weist das Kassenbuch vom
25.5.1928
folgendes aus:
„Fahnengeld
gesammelt 128,- Mark, ab
für die Fahne 100,- Mark.
Bleibt einschließlich
Guthaben und aus dem Kassenbuch aus dem
Vorjahr
226,35 Mark.“
Die
Abrechnung des
Schützenfestes
sieht in den Hauptposten wie folgt aus:
Einnahmen:
- vorh.
Kassenbestand
238,35
- Tanzgeld
17.+18.
Mai
215,50
-
Schießgeld
17.+18.
Mai 102,50
-
(Preisschießen)
- von Heinr.
Dehnbostel
50,-
- sowie
sonstige
Kleinposten
Gesamt
634,30
Ausgaben:
-
Musik
150,-
- Zeltmiete
an
Bleckmar
130,-
- C. Knolle
(Preise)
24,50
- C. Ahrens
(Preise)
36,50
- Friedrich
Börsch,
Maler und Ernst Brammer, Tischler für Schützenscheibe und
Böcke
erneuert 13,-
- An den
König
20,-
- Heinrich
Dehnbostel erhält
für die Bewirtung der Gastvereine, für 215 Glas Bier
und
200 Zigarren, Vereinssteuer und
-
Tanzscheine
96,50
- und
Wilhelm
Lindhorst
für Talkum (macht den Saal
glatt)
1,75
- dazu
Kleinposten
Gesamtausgabe
502,50
Es
verbleibt ein
Kassenbestand
von 131,80 Mark. Es mußte aber jetzt auch die Fahne bezahlt
werden
und im Nachtrag waren noch kleine Einzelposten zu bezahlen. Für
die
Fahne wurde die zweite Rate von 203,50 Mark bezahlt. Es verblieben im
Kassenbestand
an Schulden 83,95 Mark.
In
einer weiteren
Versammlung
am 27.10.1928 abends 8 Uhr -"Erscheinen
wird erwünscht"- wurde
erneut abgerechnet. Inzwischen war der Beitrag für 1928
eingesammelt
mit 96,- Mark und ein weiterer Beitrag mit Fahnengeld von 6,- Mark
ergab
die Summe von 102,- Mark. Abzüglich der Schulden von 83,95 Mark
und
einer Zahlung an Otto Meyerhoff für geliehenes Geld (3,- Mark)
verblieb
ein Kassenbestand von 15,05 Mark. So konnte der Schützenverein
dieses
Jahr noch mit einem Guthaben abschließen.
Aus dem „Berger Boten“ ist
noch vom Freitag, 27.2.1928, zu berichten:
"Becklingen.
Vom hiesigen Schützenverein errang der Hofbesitzer W. Oehus in
Oehus
beim Jubiläumsschießen in Celle einen Preis, bestehend in
einer
Zielplakette."
Das
Gruppenbild des
Schützenvereins
Becklingen 1928 zeigt folgende Mitglieder:
- 1. ? 18.
Alfred
Oehus,
Nr. 36
- 2. Otto
Denecke,
Nr. 8
19. Werner Hohls, Nr. 3
- 3. Heinrich
Meyerhoff,
Nr. 41 (Sülze) 20. ?
- 4. Hermann
Meyerhoff, Nr.
27 21. Hermann Weide, Nr. 16
- 5. Otto
Oehus,
Nr.
36 22.
Rudolf Weide, Nr. 16
- 6. Adolf
Ebel,
Nr.
12 (22)
23. Gustav Lindhorst, Nr.33 (13)
- 7. Karl
Habermann,
Nr.
28 24. Hermann Meyerhoff, Nr. 4 (Riepe)
- 8. Hermann
Denecke,
Nr.
42 25. Wilhelm Meyerhoff, Nr. 15
- 9. Georg
Oehus
26.
Fritz
Meyer, Nr. 23
- 10.
Heinrich
Denecke, Nr.
8 27. Hermann Oehus, Nr. 36
- 11.
Heinrich
Rodehorst,
Nr. 40 28. Ludwig Oehus, Nr. 36
- 12. Otto
Lindhorst,
Nr.
33 29. Karl Meyerhoff, Nr. 7
- 13. Willi
Renken,
Nr. 10a
30 Heinrich Ebel sen. sen., Nr. 12
- 14.
Heinrich
Gerken, Nr.
4a (23) 31. Karl Gerstand, Nr. 2
- 15. Hermann
Ebel,
Nr. 19
32. Heinrich Ebel sen., Nr. 12
- 16. Wilhelm
Habermann,
Nr. 5 33. Ernst Meyerhoff sen., Nr. 26
- 17. Wilhelm
Oehus
sen.
sen., Nr. 6

Die
Könige von 1929 bis 1923 (u.
1937)
Das
Schützenjahr
1929
Die
Generalversammlung
fand
am Sonnabend, den 14.04.1929 abends um 8.00 Uhr beim Gastwirt
Dehnbostel
statt. Es wurde beschlossen, das Schützenfest am 11. Und 12. Mai
im
Zelte bei Dehnbostel zu feiern. Als Musik sollte die Winser Kapelle mit
5 Mann bestellt werden und das Zelt sollte wieder von Bleckmar genommen
werden. Auch ein Preisschießen sollte stattfinden. Die Regularien
aller Beschlüsse wurden dem Vorstand überlassen, der auch die
Einteilung zum Zeltholen Auf- und Abbau und Wegbringen des Zeltes
regelt.
Hierfür wurden 10 Personen aufgeschrieben. Es folgte dann der
Punkt
Aufnahme neuer Mitglieder. Aufgenommen wurden Ludwig Oehus, Haus-Nr.
36,
Hermann Kohrs, Haus-Nr. ??, Hermann Habermann, Haus-Nr. 5 und Fritz
Meyer,
Haus-Nr. 23. Das Aufnahmegeld betrug 6 Mark. Unter Punkt 6 erfolgte die
Vorstandswahl, hier wurde der Vorstand einstimmig wiedergewählt.
In
einer weiteren
Versammlung
am Sonnabend, den 4. Mai 1929 um 8.00 Uhr abends werden weitere
Vorbereitungen
zum Schützenfest beraten und getroffen. Das Schützenfest
sollte
nicht am 12. und 13. Mai, also am Sonntag und Montag, sondern am
Sonnabend,
11. und Sonntag, 12. Mai stattfinden. Warum diese Veränderung
stattfand,
ist nicht bekannt, möglicherweise stand das Zelt oder die Kapelle
nicht zur Verfügung oder man wollte es mal am Wochenende
versuchen.
In den kommenden Jahren bis 1939 fand das Schützenfest jedoch
wieder
traditionell am Sonntag und Montag statt.
Ersichtlich
ist aus den
Daten,
daß die Schützenfeste aus dem Bereich Juli jetzt mehr und
mehr
in den Mai vorverlegt wurden. Es wurde jetzt angestrebt, das
Schützenfest
auf ein bestimmtes Wochenende festzulegen. Viele Schützenfeste in
der Umgegend finden in der Frühlingszeit statt. Nach der langen
Winterzeit,
die im ländlichen Raum nicht viele Abwechslungen bot, mit dem
Wachsen
der Natur, dem frischen Grün der ersten Birken und den lauen
Maienlüften
geht auch beim Menschen der Wunsch und Drang einher, Neues zu starten
und
zu beginnen. In dieser Frohstimmung zu feiern und zu tanzen, bot sich
die
herrliche Zeit um Pfingsten besonders gut an. Da in damaliger Zeit das
Pfingstfest für ein Schützenfest nicht zur Verfügung
stand,
das erste Wochenende nach Pfingsten durch Bleckmar und das zweite
Wochenende
nach Pfingsten durch Wardböhmen belegt war, einigte man sich
darauf,
das Wochenende vor Pfingsten für das Becklinger Schützenfest
zu wählen. Ein Wochenende weiter zum Sommer hin oder nach dem
Schützenfest
in Wardböhmen zu feiern, kam wegen der Feld- und Saatarbeiten im
damals
noch überwiegend landwirtschaftlich ausgerichteten Becklingen
nicht
in Frage. So kam es, daß im Kirchspiel Bergen und Umgebung der
Schützenfestreigen
in den kommenden Jahren durch Becklingen und Hassel eröffnet
wurde,
was bis in die heutige Zeit so geblieben ist.
Im
Berger Boten war am
Sonnabend,
dem 11. Mai 1929 folgendes zu lesen:
„Die
Schützenfeste beginnen. Die Schützenvereine Becklingen und
Hassel
laden zu ihren Feiern, die mit Preisschießen verbunden sind, zu
Sonntag
und Montag ein.“
Erstmals
findet in diesem
Jahr an beiden Tagen auf dem Schützenfest eine Verlosung (Tombola)
statt. Der Schützenkönig wurde in diesem Jahr Wilhelm Oehus
sen.
sen., Haus-Nr. 6.
Ein
trauriger
Unglücksfall
überschattete das Schützenfest 1929, als ein Kind aus einer
Gruppe
von 4 Kindern, die vom Schießstand vor dem Horstberge kamen und
auf
dem Weg zum Zelt die alte Reichsstraße überquerten, von
einem
Auto erfaßt wurde und sich tödliche Verletzungen zuzog. Das
tote Kind war der Sohn Karl Meyerhoff des Abbauern H. Meyerhoff,
Haus-Nr.
27.
Eine
weitere unangenehme
Sache
war der Diebstahl der Tagesgeldkasse des Festwirtes Heinrich
Dehnbostel.
Es war üblich, daß Gegenstände, die unter
Verschluß
gehalten werden mußten, bei Dehnbostels im Postzimmer
eingeschlossen
wurden. So stellte auch der Büchsenlader aus Fallingbostel seine
Munition
dort unter Verschluß ab. Bei dieser Gelegenheit stahl er die
Tageskasse
von Heinrich Dehnbostel, die dieser unter dem Sofa gestellt (versteckt)
hatte. Der Name des Büchsenladers ist nicht mehr bekannt.
Im
Herbst 1929 fand ein
Herbstpreisschießen
am Bahnhof statt. Die Mitteilung im Berger Boten vom 17.09.1929 weist
Albert
Brandt als besten Schützen aus:
„Becklingen.
(Preisschießen.) Der Schützenverein Becklingen hielt am
letzten
Sonntag auf seinem am Bahnhof gelegenen Scheibenstand ein
Preisschießen
ab. Den ersten, in einem Korbsessel bestehenden Preis, erhielt
Waldarbeiter
Albert Brandt.“
Die
wirtschaftlichen
Verhältnisse
waren im Jahre 1929 nicht gut, was sich auch in der Abrechnung zeigt,
die
in diesem Jahr mit einem Verlust von 93,15 RM abschloß. Die
wichtigsten
Einzelposten sind auf der Einnahmenseite:
- Beitrag pro
Mitglied
(2,-
RM)
70,- RM
- Tanzgeld 2 Tage
180,-
RM
- 1 Tag
Preisschießen
Schießgeld
81,- RM
- verkaufte Lose
63,50
RM
- von H. Dehnbostel
40,- RM
- sowie diverse
Kleinposten
Gesamteinnahmen 479,55 RM
Auf der
Ausgabenseite
schlagen
zu Buche:
- Musik, Winsen
160,- RM
- Zeltmiete,
Bleckmar
145,-
RM
- Für
Tanzschein
60,55
RM
- Preis, Kaufmann
Fr.
Lohmann,
Bergen 51,70 RM
- Preise, Kaufmann
Dietrich
Lindhorst
30,- RM
- eine weitere
Zahlung
an
Fahnen
Reinecke
- Hannover
beträgt
42,10 RM
- Königsgeld
(wird
in
diesem
Jahr
- wieder mehr
gezahlt)
40,- RM
- Königsscheibe
an
F.
Börsch
12,- RM
- sowie diverse
Kleinposten
Ausgaben
gesamt 572,70 RM
Am
22.09.1929 wurde das
Herbstpreisschießen
vom 10. September abgerechnet. Um den Verlust vom Schützenfest
auszugleichen,
wurde eine Umlage bei den Mitgliedern gesammelt, die 97,50 RM erbringt.
An Schießgeld wurden 141,- RM eingenommen, so daß sich die
Einnahmen auf 238,50 beliefen. An Ausgaben entstanden beim
Preisschießen
75,60 RM und der Fehlbetrag vom Schützenfest belief sich auf 93,15
RM, Gesamtausgaben folglich 168,75 RM. Verblieben war ein Guthaben von
69,75 RM. Der Schützenverein konnte mit diesem Betrag ins Jahr
1930
gehen.
Das
Jahr 1929 war aus
wirtschaftlicher
und politischer Sicht ein unruhiges und schlechtes Jahr. Die
Arbeitslosenzahlen
stiegen auf über 3 Millionen. In Deutschland zeigten sich erste
Auflösungserscheinungen
in der Republik, die Regierung begann mit Notverordnungen zu regieren.
Am 24. Oktober markiert der große Börsenkrach in New York,
der
„Schwarze Freitag“, den Beginn der Weltwirtschaftskrise. In Deutschland
treffen Rotfront und SA immer häufiger aufeinander, dazwischen
agieren
das Zentrum, die SPD und die Deutschnationalen und auch die
Kriegervereine
haben eigene politische Vorstellungen.
Der
Stahlhelm, der eine
deutschnationale
Richtung vertrat und eine Vereinigung ehemaliger Soldaten des 1.
Weltkrieges
war, hatte eine Ortsgruppe in Bergen und eine Untergruppe aus den
Ortschaften
Bleckmar, Wardböhmen und Becklingen. Die
gemeinschaftlichen Treffen
fanden überwiegend beim Gastwirt Rogge in Wardböhmen statt.
Das
Schützenjahr
1930
Am
Donnerstag, den
10.04.1930
wurden die Mitglieder im Berger Boten aufgefordert, zur
Generalversammlung
am Sonnabend Abend 8.00 Uhr bei Dehnbostel zu erscheinen.
Als
erstes stand die Wahl
des Vorstandes auf der Tagesordnung, der einstimmig wiedergewählt
wurde. Desweiteren wurde beschlossen, das Schützenfest am 1. und
2.
Juni zu feiern und dazu das Zelt aus Bleckmar zu bestellen. Die Musik
sollte
der Vorstand in Neuenkirchen oder Celle bestellen und H. Dehnbostel
sollte
das Fest wieder zu den Bedingungen des Vorjahres ausrichten. Das
Preisschießen
sollte in diesem Jahr wieder an zwei Tagen durchgeführt werden.
Auch
mit der Verlosung (Tombola) des vergangenen Jahres hatte man gute
Erfahrungen
gemacht und wollte sie in diesem Jahr wiederholen. Für den Kauf
der
Preise wurden 70,- RM bewilligt.
In einem weiteren
Tagesordnungspunkt
wurde durch Abstimmung das Vereinsmitglied Heinrich Ebel sen. sen. zum
Ehrenmitglied aufgenommen. Hiermit hat der Schützenverein
Becklingen
im achten Jahr seines Bestehens das 1. Ehrenmitglied ernannt.
Auch
der Unglücksfall
des vergangenen Jahres beschäftigte die Mitglieder und es wurde
beraten,
wie weitere Unfälle dieser Art verhindert werden können. Es
wurde
beschlossen, daß der vorstand Warnschilder bei der
Straßenverwaltung
anmeldet, die auf das Schützenfest hinweisen und zum langsamen
Fahren
auffordern. Die weiteren Aufgaben sollte der Vorstand regeln.
Neue Mitglieder wurden nicht
aufgenommen.
Die
Vorbereitungen
für
das Schützenfest nahmen jetzt ihren Lauf. Die in der
Generalversammlung
gefaßten Beschlüsse mußten in einigen Punkten noch
geändert
werden. So wurde das Schützenfest um eine Woche auf den 25. Und
26.
Mai vorverlegt, und als Musik wurde die „Winser Kapelle“ von H.
Gödecke
verpflichtet.
Im
Berger Boten wiesen die
ersten Mitteilungen auf die kommenden Schützenfeste hin, auch wird
an mehreren Orten Preisschießen angeboten, daß sich Ende
der
zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre großer Beliebtheit
erfreute.
Die öffentliche Preisschießen wurden vom Frühjahr bis
in
den Herbst durchgeführt.
Hierzu
ein paar
Auszüge
aus dem Berger Boten:
„Die
Schützenfeste nehmen ihren Anfang. In Becklingen wird Sonntag und
Montag und in Hassel Sonnabend und Sonntag gefeiert. In Verbindung mit
den beiden Schützenfesten findet Preisschießen statt.“
(BB.EB.Sbd.24.05.1930)
„Großes
Preisschießen hält morgen und am übernächsten
Sonntag
der Kleinkaliber-Sportverein Wohlde ab.“
(BB.EB.Sbd.24.05.1930)
„Was
der Sonntag bringt. ... In Wardböhmen ist Schützenfest
mit Preisschießen am Sonntag und Montag; Gastwirt Rogge ist
Festwirt....“
(BB.EB.Sbd.21.06.1930)
„Das
Sonntags-Programm bietet zunächst das Preisschießen des
Stahlhelm
und Jungstahlhelm auf den Schießständen in Wohlde und
für
die Freunde von Schützenfesten das Schützenfest in
Oberndorfmark
bei Gastwirt Hohls.“ (BB.EB.Sbd.05.07.1930)
„Was
der Sonntag bringt. ...Sodann rückt der Schießsport in
den Vordergrund und unsere Schützen haben Gelegenheit, ihre Kunst
voll und ganz zur Geltung zu bringen. Der Kleinkali-ber-Sportverein
Wohlde
wie auch der Schützenverein Bleckmar laden zum Schießen ein,
wobei gute Preise zur Verteilung gelangen. Den Veranstaltungen
wünschen
wir gute Erfolge. Der Schützenverein Offen hält innerhalb des
Vereins gleichfalls ein Schießen ab.“ (BB.EB.Sbd.30.08.1930)
Bevor
es mit dem Fest in
Becklingen
so weit war, mußte vorweg das Zelt aufgestellt werden. Diese
Prozedur
wiederholte sich jährlich und war mit viel Mühe und Arbeit
verbunden.
Die Aufzeichnungen in den Büchern weisen hierfür in der Regel
10-12 Personen aus, dazu kamen in der Regel noch Freiwillige, die sich
beim Aufstellen, mehr noch beim Abbauen, einfanden, um mitzuhelfen.
Beim
Abbauen konnte noch so schön über das vergangene Fest
erzählt
werden und es gab Freibier, das Rest-bier aus dem Faß. Ein guter
Grund freiwillig zu helfen. Zu diesen Helfern kamen vom Zeltverleiher
zum
Aufbau meistens zwei und zum Abbau ein Zimmermann dazu. Die Liste der
Helfer
sah in der Regel folgende Einteilung vor: Ein Mann mit Fuhrwerk zum
Holen
des Zeltes und zwei Helfer zum Aufladen. 5 bis 6 Mann zum Aufbauen, 3
bis
4 Mann zum Abbauen und für den Rücktransport ein
Fuhrwerk
mit ein bis zwei Mann. Die Fuhrwerke waren Pferdegespanne und hier ging
es reihum bei den Mitgliedern, die als Bauern und Abbauern
Pferdegespanne
hatten. Das Abholen des Zeltes konnte sehr unterschiedlich sein. Es
konnte
von der Lagerstätte des Ausleihenden Schützenvereins sein,
aber
auch aus einem Dorf in der Umgegend, wo es ein Wochenende vorher
benutzt
worden war. Das gleiche galt für den Rücktransport, hier
konnte
es allerdings auch vorkommen, daß das Zelt von einem anderen
Verein
aus Becklingen abgeholt wurde und so der Rücktransport entfiel. In
der näheren Umgebung hatten die Schützenvereine Einzingen und
Bleckmar eigene Festzelte. Woher die Zelte für die Becklinger
Schützenfeste
geliehen wurden, läßt sich in den ersten Jahren nicht
nachweisen,
1926 wurde es vom Schützenverein Einzingen geliehen und ab 1928
regelmäßig
bis 1939 vom Schützenverein Bleckmar.
Nachdem
das Fest so
vorbereitet
war, konnte auch im Berger Boten die Anzeige für das
Schützenfest
erscheinen und die Schützen sich auf den ersten Tag freuen.
Schützenkönig
1930 wurde Adolf Oehus (Schün Adolf), Haus-Nr. 31 (Kuhlen)
Wie das Schützenfest
verlaufen ist, wie gefeiert wurde und ob die Sonne schien oder es
regnete,
hierüber gibt es keinen Bericht.
Die
Abrechnung des
Schützenfestes
fand am 14. Juni 1930 statt. In der Einnahme waren für zwei Tage
118,-
RM Satzgeld und 195,- RM Tanzgeld vorhanden. Für Preise wurden an
Dietrich Lindhorst 42,25 RM, an Karl Knolle Bergen 35,50 RM und an H.
Dehnbostel
33,60 RM ausgegeben. Das Zelt vom Schützenverein Bleckmar kostete
145,- RM und die Musik 150,- RM. Der König bekam 40,- RM und eine
weitere Rate an Franz Reinecke in Hannover für die Fahne betrug
57,90
RM
Die
Einnahmen betrugen
541,25
RM, abzüglich der Ausgaben in Höhe von 540,20 RM war noch ein
Kassenbestand von 1,05 RM vorhanden. Von diesem Guthaben ließ man
sich aber nicht beeindrucken und beschloß auf einer Versammlung
am
10.09.1930 im Herbst einen Schützenball auf Dehnbostels Diele zu
feiern.
Als Musik hatte man hierzu wieder Gödecke aus Winsen verpflichtet.
Die
Abrechnung am
03.12.1930
ergab neben anderen Posten eine Tanzgeldeinnahme von 137,- RM und die
Musik
kostete 60 RM, so daß ein Überschuß von 70,80 RM das
Jahr
1930 abschloß.

Die
Könige von 1934 bis 1939
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